Viel Luft, wenig Kluft.

20. 06. 06
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Viel Luft, wenig Kluft.
Dietmar Jakely 
 
Quarzgang Teigitschgraben Stmk A 18.02.2020 fotDJ 105516Bei der Suche nach einem vor zirka 40 Jahren bearbeiteten Pegmatit-Block im Teigitschgraben (Koralpe, Steiermark, A) entdeckte ich am Gegenhang einen mächtigen Quarzgang. Wenige Tage später war ich wieder dort und kletterte auf allen Vieren den Steilhang hinauf, um an
diese schwer erreichbarer Stelle zu gelangen und vom anstehenden Gang ein paar Fotos zu machen. Hinunter traute ich mich dann nicht mehr und deshalb krabbelte und kletterte ich mit gebotener Vorsicht höher und höher den Abhang hinauf. Ich ließ mir alle Zeit der Welt und beschaute jede Terrasse und jeden Felsen. Der Aufstieg war anstrendend und ich musste oft ausgiebig rasten. Während so einer Ruhephase bot sich auch ein herrliches Schauspiel. Ein Hermelin im weißen Winterkleid war plötzlich da, sauste hektisch hin und her, um immer wieder an derselben Stelle zu graben. Gefühlt eine Viertelstunde lang sah ich dem putzigen Tierchen zu. Endlich erreichte ich eine Forststraße, der ich vorerst taleinwärts folgen musste, um so auf Umwegen wieder talauswärts zu meinem Auto zu gelangen.
An eine nähere Untersuchung oder gar die Bearbeitung des Quarzganges im Alleingang war nicht zu denken und ob der Steilheit viel zu gefährlich. Die gemachten Fotos trübten im Laufe der Zeit meine Erinnerung und so wurde der Amphibolit-Fels ausgelaugter und ausgelaugter. Ich konnte daher den Austrieb der Laubblätter kaum erwarten, denn im Winter war die Fundstelle weithin sichtbar. Ein dichtes Laubdach bietet aber nicht nur Sichtschutz, es dämpft auch den Klang von Schlägel und Eisen.Kontra Christian 08.05.2020 Teigitschgraben Steiermark A fotDJ 155355
  
Anfang Mai 2020 wurde das Mitte Februar entdeckte Vorkommen unter die Lupe genommen. Mein Sammlerfreund Christian Kontra war mit von der Partie. Nachdem wir auf allen Vieren hochgekraxelt waren und unsere Rucksäcke festgebunden hatten, errichteten wir uns provisorische Standplätze. Typischen Kluftanzeichen waren nicht gegeben, dennoch versuchten wir den mächtigen Quarzgang von beiden Seiten freizulegen. Dabei räumten wir auch schmale Risse und kleine Spalten aus, die Felsen und Quarzgang querten. Das anstehende Gestein, ein besonders zäher Amphibolit, war auch nicht ausgelaugt wie erhofft oder eingebildet, wie es mir die Fotografien suggerierten sonder kaum rissig und puffhart. Der Gang erwies sich auch als wesentlich breiter als vorerst ersichtlich war. In Längsausrichtung kann die talauswärtige Fortsetzung nur vermutet werden, wo in etwa zehn Meter Entfernung drei parallele Quarzgänge knapp übereinander anstehend in einer steil stehenden Amphibolit-Rippe zu beobachten sind. In entgegengesetzter Richtung setzt sich der Quarzgang ungefähr 10 Meter fort und beißt an wenig höher gelegener Stelle wieder aus. Der dort überhängende Amphibolit ließ uns vermuten, hier habe schon vor langer Zeit jemand geschürft. Wir räumen diese Stelle frei und viel kleinstückig zerbrochener Derbquarz im Boden bestätigt unsere Ahnung: Viel Luft und wenig Kluft. Die Kluft also ein Luftschloss, denn im Schutt der Vorgänger finden wir nichts. Kein Splitter eines Kristalls, keine Spur einer gewachsenen Fläche. Die Luft war draußen und wir stellen unsere Aktivitäten ein. Trotz Covid-19 ein herrlicher Tag. 
Quarzgang Teigitschgraben Stmk A 18.02.2020 fotDJ 105516
 
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